Nur Grenzen schließen hilft!

Völkerwanderung

Afrikas Schuld, Afrikas Pflicht

Es gibt keine schuldgetriebene Verpflichtung für Europa, alle Afrikaner ­aufzunehmen, die im Norden ein besseres Leben suchen. Im Gegenteil: Der demografische Druck wird die EU zwingen, die Grenzen wasserdicht zu machen.

Von Roger Köppel


  • Roger Köppel

Schuldgefühle haben nichts mit Verantwortungsbewusstsein zu tun, und Betroffenheit kann leicht in Heuchelei umschlagen. Das sind die ersten Gedanken, die einen befallen, wenn man sich die Reaktionen auf das Flüchtlingsdrama vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa vor Augen führt.

Politiker und Kirchenhäupter, Kommentatoren und Brüsseler EU-Funktionäre waren sich in ihren wohlfeilen Selbstanklagen schnell einig: Der Bootsunfall vor Lampedusa ist eine Schande für Europa. Die EU-Staaten müssen schleunigst etwas unternehmen. Gefragt sind nicht nur «offene Geldbeutel und offene Herzen», wie sich eine EU-Kommissarin ausdrückte, sondern vor allem «offene Grenzen» für die nachrückenden «Hungermigranten» aus dem Süden. Italiens Staatspräsident Napolitano denkt bereits darüber nach, die restriktiven Einwanderungsgesetze seines Landes zu lockern. Migrationsministerin Cé­cile Kyenge will die illegale Einreise gänzlich entkriminalisieren. Dass sich die italienischen Grenzwächter korrekterweise an die Gesetze hielten und nicht alle Illegalen reinliessen, wird ihnen heute als flagrante Unmenschlichkeit ausgelegt.

Auch Schweizer Meinungsmacher konnten der Versuchung nicht widerstehen, das Bootsunglück für eine Vorführung ihrer eigenen Hochmoral zu nutzen. Der Einsiedler Abt Werlen fordert «Anteilnahme» statt «Abschottung», «mehr Grossmut als Gleichgültigkeit». Der Solothurner Freisinnige Kurt Fluri will den Flüchtlingen wieder erlauben, ihre Asylanträge auf Schweizer Botschaften im Ausland zu stellen. Bundesrätin Sommaruga, oberste Schweizer Flüchtlingspolitikerin, lobte im Angesicht des Unglücks feinsinnig den Nutzen der Migration für die Schweiz. Die Signale sind eindeutig: Jeder Afrikaner, der die De­batte verfolgt, muss sich bei so viel Entgegenkommen ermutigt fühlen, die Reise in den Norden jetzt erst recht anzutreten.

 

hier weiterlesen: http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2013-41/artikel/voelkerwanderung-afrikas-schuld-afrikas-pflicht-die-weltwoche-ausgabe-412013.htmlc.l

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