US-Agenda für Europa

Analyse einer Analyse von Stratfor

23. März 2016 (Kommentar von Niki Vogt) Die Terroranschläge von Brüssel haben einen guten Bekannten auf den Plan gerufen: George Friedman von Geheimdienst STRATFOR. Er hat gleich am nächsten Morgen eine atemberaubend überraschende Analyse zu den Selbsmordattentaten verfaßt: Er sieht die Freizügigkeit innerhalb der Schengenstaaten in Gefahr, ein Erstarken der nationalen Parteien in Europa, neue, nationale Sicherheitsgesetze, ein Engagement der EU-Staaten im Krieg gegen den IS, Schäden für die europäischen Volkswirtschaften und wachsende, antimuslimische Stimmung. Auch den so gegannten „Türkei-Deal“ sieht er in Gefahr.

Zugegeben, liest man die Analyse „Brussels Attacks Tear at the Fabric of the European Union“  (Die Anschläge von Brüssel reißen am Gewebe der Europäischen Union), fällt es fast schon schwer zu glauben, daß ein namhafter Geheimdienst solche Binsenweisheiten als „Experten-Analyse“ veröffentlicht. Hand auf’s Herz, das hätte im Prinzip jeder von uns spontan gesagt, wäre er in der Einkaufsmeile von irgendeinem Lokalredakteur mit vorgehaltenem Mikrophon zu einer Stellungnahme aufgefordert worden. Irgendwie erinnert es an die legendäre „Roland Berger Studie“, bei der ermittelt wurde, warum so viele Leute bei Aldi einkaufen. Das sensationelle Resultat: Es liegt am Preis!

Dennoch ist die Lektüre derAnalyse höchst empfehlenswert. Man muß es nur mit anderen Augen lesen.

Die ersten zwei Absätze umreißen kurz und knapp die US-amerikanische Wunschliste für Europa. Zerschlagung der EU und Wiedererstarken der Nationalstaaten. Uneinigkeit untereinander, widerstrebende Interessen, Angst, Unsicherheit, wirtschaftliche Nachteile. Vor allem: Das wirtschaftliche Schwergewicht und Hauptkonkurrent Deutschland unter Merkels vollkommen wahnsinniger Egide als Buhmann des Kontinents. Europas Versinken in Terror, Bürgerkrieg, Gesetzlosigkeit und Armut wird Merkel – also Deutschland – angelastet werden. Nicht Amerika. Charmant, nicht wahr?

Warum? Die bisherige Weltmacht Nummer eins sieht die Zeit davonlaufen, ihren Status als einzige Weltmacht zu erhalten. Der Koloss verliert seine Macht jeden Tag ein Stück mehr an die Achse Rußland und China. Die USA sind in einer sehr kritischen Situation. Viele kluge Analysen haben schon festgestellt, daß die USA in solchen Situationen immer zu Kriegen greifen und mit allen Mitteln die Konkurrenten schwächen. Seit Jahren  wird ein Land nach dem anderen rund ums Mittelmeer destabilisiert, der russisch-chinesische Machtblock rundum zum Filettieren freigelegt. Es gilt, die „neue Seidenstraße“ zu verhindern. Dies wäre eine Handelsunion von Portugal über Paris, London, Berlin, Moskau, Peking, Delhi und darüberhinaus. Wie Friedman in seinem berühmten Vortrag über den „Cordon Sanitaire“ darlegte, haben die USA zwei Weltkriege geführt, um die Zusammenarbeit zwischen Rußland und Deutschland zu verhindern, weil daraus ein ernstzunehmender Rivale für Amerikas Weltmächt erwüchse. Die „Neue Seidenstraße“ ist zehnmal so gefährlich für die USA. Es wäre das Aus für die USA als führende Weltmacht. Die Zerstückelung und Destabilisierung Europas ist ein enorm wirksames Mittel, nicht nur die „Neue Seidenstraße“ weitgehend zu verhindern, sondern auch ein prächtiger Nährboden, einen Krieg gegen den Erzfeind Putin anzuzetteln, die Europäer gegen die Russen zu hetzen und alle zusammen gegen den IS. Divide et impera.
Und die USA verdienen sowohl an der Schlachterei als auch am Wiederaufbau.

hier weiterlesen: http://quer-denken.tv/index.php/2217-analyse-einer-analyse-von-stratfor

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