Das VOLK hat entschieden

Es macht Mut zu sehen, dass die Demokratie hier und da doch noch funktioniert.

30.11.2015 | 10:46 Uhr 30.11.2015 um 10:48 Uhr

„Eine schallende Ohrfeige des Volkes“: Pressereaktionen auf NOlympia

Die Hamburger Bevölkerung stimmte am Wochenende gegen Olympia 2024
Die Hamburger Bevölkerung stimmte am Wochenende gegen Olympia 2024

Publishing Am gestrigen Sonntag haben die Hamburger entschieden: Sie wollen nicht, dass die Olympischen Spiele 2024 in ihrer Heimatstadt stattfinden. 51,6 Prozent stimmten beim Referendum mit Nein, die Bewerbung ist damit gescheitert. Das Medienecho ist riesig. Viele Journalisten sind sich einig: Der deutsche Sport steht vor einem Scherbenhaufen.

SpOn-Sportredakteur Peter Ahrens beobachtet eine „tief sitzenden Misstrauen gegen Olympische Spiele und Fußballweltmeisterschaften, diese Supertanker der Sportveranstaltungen“. Auch die Fußball-WM in Brasilien im Vorjahr sei ein Beispiel dafür gewesen, wie wenig ein Land letztlich von einem solchen Ereignis hat, wenn die vier Wochen im Schaufenster der Welt vorbei sind. „Der komplette organisierte Hochleistungssport ist durch die Verbände diskreditiert, und jetzt bekommen sie von den Bürgern dafür die Quittung.“

Michael Reinsch schlägt bei FAZ.net ähnliche Töne an: „Ob systematisches Doping im russischen Sport, ob eine erpresserische Verbandsspitze in der Welt-Leichathletik, ob korrupte Fußball-Funktionäre in Handschellen oder dubiose Millionenzahlungen im Zusammenhang mit dem Sommermärchen 2006: So wie Vielfalt und Faszination des Sports sich bei Olympischen Spielen auf siebzehn Wettkampftage verdichten, konzentrieren sich Abscheu und Misstrauen gegenüber dem Sport auf die Organisation im Zeichen der Ringe, den Milliarden-Konzern IOC.“

Auch Oliver Fritsch sieht das bei Zeit Online ähnlich. Der entscheidende Grund sei „das Misstrauen der Bürger gegenüber dem Sport“ gewesen. „Das wohlverdiente Misstrauen, muss man sagen.“ Ein großes Manko der Hamburger Bewerbung sei außerdem gewesen, „wie ideenlos, uninspiriert und bürokratisch der deutsche Sport auftrat, inklusive der beteiligten Politiker sowie der BWL-Typen, die die Bewerbung begleiteten. Neue Köpfe braucht das Sportland.“

„Mutlosigkeit hat Perspektivdenken besiegt“, schreibt Matthias Steiner bei NDR.de und zeigt sich enttäuscht. Das Zeichen an die Welt sei eindeutig: „Eine Massenveranstaltung wie Olympia ist in einer westlichen Demokratie derzeit nicht mehrheitsfähig. Schade.“ Die Bedenkenträger hätten sich durchgesetzt, der olympische Sport in Deutschland stünde vor einem Scherbenhaufen. Für Bürgermeister Olaf Scholz und Sportsenator Michael Neumann sei das Ergebnis eine „schallenden Ohrfeige vom Volk“.

hier weiterlesen: http://meedia.de/2015/11/30/eine-schallende-ohrfeige-des-volkes-pressereaktionen-auf-nolympia/

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